Kommentar zum H2Oh!-Gutachten: Unabhängig heißt nicht uninformiert

Ein Gutachten soll unabhängig sein. Darüber besteht Einigkeit, und das ist gut so. Unabhängig heißt aber nicht, dass der Gutachter möglichst wenig wissen soll.

Im Ausschuss für Gesundheit und Sport haben wir gemeinsam mit den Grünen beantragt, dem Gutachter die Ergebnisse unseres Bürgerdialogs und der Gesprächsrunde mit Vereinen, Interessengruppen und Parteien zur Verfügung zu stellen. Die Mehrheit aus CDU, SPD und AfD hat das abgelehnt. Als Begründung hieß es, die Machbarkeitsstudie solle neutral und unabhängig erstellt werden, und Bestands- und Bedarfsanalyse seien ohnehin Teil davon.

Dann bleibt eine einfache Frage: Wenn der Gutachter den Bedarf ohnehin ermitteln soll, was spricht dagegen, ihm vorhandene Erkenntnisse mitzugeben? Die Verwaltung hatte gegen die Weitergabe laut Vorlage keine Bedenken.

Der Vorwurf, wir wollten einen Ratsbeschluss nachträglich umdeuten, geht an der Sache vorbei. Der Auftrag an den Gutachter bleibt, wie der Rat ihn beschlossen hat: zwei Varianten, jeweils Sanierung und Neubau. Daran ändert unser Antrag nichts. Er verlangt nur, dass vorhandenes Wissen nicht verloren geht.

Was in den Gesprächen zusammengetragen wurde, ist keine Vorgabe: Schulschwimmen, DLRG-Ausbildung, Vereinssport, Seniorensport und Reha, dazu Ideen, wie sich im Betrieb Energie und Wasser sparen lassen. Das ist die Erfahrung der Menschen, die das H2Oh! tagtäglich nutzen. „Berücksichtigen” heißt für uns zur Kenntnis nehmen und abwägen. Was davon trägt und wie er es gewichtet, entscheidet der Gutachter allein.

Ein Gutachten wird nicht neutraler, indem man ihm Informationen vorenthält. Es wird nur ärmer.

Wer ein ergebnisoffenes Gutachten will, sollte keine Angst vor mehr Informationen haben. Warum soll ausgerechnet das Wissen der Nutzerinnen und Nutzer draußen bleiben?

Wir sorgen dafür, dass die Hinweise öffentlich nachlesbar bleiben, auch für den Gutachter. Erst die Fakten, dann die Entscheidungen: Dabei bleibt es.

─ Ein Kommentar von Karoline Milch zur Stellungnahme der SPD Tönisvorst: „Schwimmbad-Gutachten: Grüne und GUT wollen einen einstimmigen Ratsbeschluss nachträglich umdeuten.“