Was wir wissen wollen – und warum
Wer in Tönisvorst eine günstige Wohnung sucht, merkt: Der Markt ist eng. Die GUT-Fraktion hat das zum Anlass genommen, mit einer formalen Anfrage an den Stadtrat Licht ins Dunkel zu bringen – und die Stadtverwaltung um eine umfassende Bestandsaufnahme zur sozialen Wohnraumversorgung gebeten.
Konkret wollen wir wissen: Wie viele Haushalte beziehen derzeit Wohngeld, und wie hat sich diese Zahl in den letzten acht Jahren entwickelt? Wie viele Wohnberechtigungsscheine werden ausgestellt – und wie lange müssen Antragsteller warten? Und wie steht es um die Sozialwohnungen in Tönisvorst: Wie viele gibt es noch, und wie viele fallen in den nächsten Jahren aus der Preisbindung?
Wohngeld: Immer mehr Menschen brauchen Unterstützung
Diese Fragen sind nicht akademisch. Der Hintergrund ist ernst: Seit der großen Wohngeldreform 2023 (Wohngeld-Plus-Gesetz) hat sich die Zahl der berechtigten Haushalte bundesweit fast verdreifacht, der durchschnittliche Auszahlungsbetrag stieg von rund 177 auf 370 Euro monatlich. Das zeigt: Immer mehr Menschen können ihre Wohnkosten nicht mehr aus eigener Kraft stemmen – auch in Städten wie Tönisvorst.
Sozialwohnungen: Eine stille Krise
Noch drängender ist die Lage bei den Sozialwohnungen. In ganz NRW werden laut NRW.Bank bis 2035 fast die Hälfte der aktuell rund 414.000 preisgebundenen Wohnungen aus der Sozialbindung fallen. Fällt die Bindung weg, folgen häufig Mieterhöhungen auf Marktniveau – oft unmittelbar und ohne Übergangsfrist. Neubau kann diesen Verlust bislang bei weitem nicht ausgleichen: 2024 entstanden in NRW gerade einmal 6.726 neue Sozialwohnungen, benötigt würden laut Deutschem Mieterbund mindestens 25.000 pro Jahr.
Sozialwohnungen, Wohngeld, Wohnberechtigungsscheine – wo steht Tönisvorst?
Was das konkret für unsere Stadt bedeutet, wissen wir schlicht nicht – denn belastbare Zahlen fehlen bislang. Genau das wollen wir ändern. Nur wer weiß, wie viele Sozialwohnungen in den nächsten Jahren wegfallen, kann rechtzeitig handeln – etwa über städtebauliche Verträge bei neuen Baugebieten, Kooperationen mit der NRW.Bank oder gezielte Belegungsbindungen. Auch der vieldiskutierte „Bauturbo“ für neue Wohngebiete hilft wenig, wenn dabei bezahlbarer Wohnraum auf der Strecke bleibt. Wir haben die Verwaltung um eine belastbare und vollständige Beantwortung gebeten – und dabei ausdrücklich Verständnis für den damit verbundenen Aufwand signalisiert.
