Schluss mit dem Stillstand – die GUT beantragt Neustart beim Schulneubau

Sechs Jahre Debatte. Vier Varianten. Unzählige Gutachten und Ratssitzungen. Und kein einziger Bagger hat sich bewegt – während Kinder und Jugendliche in maroden Gebäuden unterrichtet werden, Wasser in Keller eindringt und Raumnot den Schulalltag bestimmt.

Die GUT hat genug. Mit einem umfassenden Antrag zum Haushaltsplanentwurf 2026 fordert die Gemeinschaft Unabhängiger Tönisvorster einen kompletten Neustart: Weg vom umstrittenen Standort am Wasserturm – hin zu einem Neubau der Rupert-Neudeck-Gesamtschule direkt am bestehenden Schulzentrum Corneliusfeld.

Warum jetzt, warum Corneliusfeld?

Das Corneliusfeld bietet entscheidende Vorteile, die keinen weiteren Zeitverlust rechtfertigen: Das Grundstück gehört der Stadt, es ist sofort bebaubar, das Planungsrecht ist bereits vorhanden – eine aufwändige Änderung des Flächennutzungsplans entfällt. Sporthallen, Mensa und Forum sind bereits vorhanden und können gemeinsam genutzt werden. Frühere Kostenschätzungen zeigen deutliche Einsparpotenziale gegenüber dem Wasserturm-Standort.

„Dieser Antrag entspricht nicht in allen Punkten unserer ursprünglichen Überzeugung. Aber es geht hier nicht um politische Eitelkeiten – es geht um die Bildungschancen einer ganzen Generation Tönisvorster Kinder. Das ist uns wichtiger als das Festhalten an einem Standort“, sagt Karoline Milch, stellvertretende Fraktionssprecherin der GUT.

Was bedeutet das für Eltern?

Wer Kinder an der Rupert-Neudeck-Gesamtschule oder dem Michael-Ende-Gymnasium hat, weiß: Die Situation ist unhaltbar. Die GUT fordert deshalb eine verbindliche Zielvorgabe: Das neue Schulgebäude soll zum Beginn des zweiten Schulhalbjahres 2028/2029 nutzungsfertig übergeben werden – inklusive vollständiger Einrichtung. Ermöglicht werden soll das durch die Beauftragung eines sogenannten Totalübernehmers, der Planung und Bau aus einer Hand liefert und damit Kosten- und Terminsicherheit garantiert.
„Die Kinder dieser Stadt warten seit sechs Jahren auf eine vernünftige Schule. Wenn wir jetzt nicht handeln und die Stadt in ein Haushaltssicherungskonzept rutscht, werden sie noch einmal fünfzehn Jahre warten müssen. Das darf nicht passieren“, so Milch.

Was bedeutet das für Vereine, Ehrenamtliche und Kulturschaffende?

Das Schulzentrum Corneliusfeld ist mehr als eine Schule. Es ist ein Herzstück des gesellschaftlichen Lebens in St. Tönis: Der Stadtkulturbund, die Turnerschaft, das Akkordeonorchester, Handballvereine, Kulturveranstaltungen – sie alle nutzen Forum, Sporthallen und angrenzende Räumlichkeiten. Die GUT stellt deshalb unmissverständlich klar: Der Fortbestand all dieser Angebote und Aktivitäten muss auch während der gesamten Bauphase vollumfänglich gewährleistet sein.

„Forum und Sporthalle sind für viele Vereine und Kulturveranstalter in Tönisvorst unverzichtbar. Wir fordern ein verbindliches Interimskonzept – nicht als Fußnote, sondern als Kernbestandteil der Planung. Wer Ehrenamtliche und Kulturschaffende verliert, gewinnt sie nicht so schnell zurück“, betont Daniel Ponten, Fraktionsgeschäftsführer und Vorstandssprecher der GUT.

Anwohner und Verkehr: Keine faulen Kompromisse

Die GUT verschließt die Augen nicht vor den Herausforderungen am Corneliusfeld. Die Verkehrssituation rund um die Corneliusstraße ist bereits heute angespannt. Deshalb fordert der Antrag ein unabhängiges Verkehrsgutachten sowie ein Lärmgutachten – bevor gebaut wird, nicht danach. Außerdem soll ein Parkraumkonzept sicherstellen, dass sich die Stellplatzsituation für Schulbetrieb, Vereine, Veranstaltungsbesucher und Anwohner nicht verschlechtert, sondern nach Möglichkeit verbessert.

Natur schützen – auch beim Bauen

Wo gebaut wird, müssen möglicherweise Bäume weichen. Die GUT fordert deshalb eine vollständige Erfassung aller betroffenen Bäume und ein Aufforstungskonzept, das den Verlust in Art, Altersstruktur und Anzahl gleichwertig ersetzt – vorgesehen ist unter anderem eine Aufforstung im Bereich des Wasserturms, die zugleich das dortige Erholungsgebiet aufwerten kann.

Transparenz statt Hinterzimmer

Angesichts eines Planungsprozesses, der in der Vergangenheit teilweise von Informationslücken und mangelnder Transparenz geprägt war, fordert die GUT eine enge parlamentarische Begleitung: Die Verwaltung soll Rat und Ausschüssen alle sechs Wochen Bericht erstatten – mit Sondersitzungen, wenn nötig.

„Wir haben in der Vergangenheit zu oft erlebt, dass wichtige Informationen zu spät oder gar nicht im Rat ankamen. Das muss sich ändern. Sechs-Wochen-Berichte sind kein Misstrauensvotum gegenüber der Verwaltung – sie sind eine Selbstverständlichkeit bei einem Projekt dieser Größenordnung“, sagt Aleksander Weber, stellvertretender Fraktionssprecher der GUT und Mitglied im Bauausschuss der Stadt Tönisvorst.

Die GUT sagt klar: Es ist genug geredet worden

Die GUT ist überzeugt, dass dieser Antrag auf breite Zustimmung im Rat stoßen wird – denn er kommt dem Wunsch und dem Ziel vieler Fraktionen entgegen, die genau dieses Szenario seit Jahren gefordert haben. Wer den Standort Corneliusfeld propagiert hat, kann seine Forderungen mit diesem Antrag als erfüllt betrachten. Die GUT lädt daher alle Ratsmitglieder ein, über den eigenen Schatten zu springen und gemeinsam eine Entscheidung zu treffen, die umsetzbar, finanzierbar und zeitnah realisierbar ist. Die Kinder und Jugendlichen dieser Stadt warten seit sechs Jahren. Sie können nicht noch einmal jahrelang warten.