Die GUT-Fraktion im Rat der Stadt Tönisvorst hat Mitte Mai eine formelle Anfrage nach § 17 der Geschäftsordnung an Bürgermeister Kevin Schagen gerichtet. Thema: der seit Jahren andauernde Schwerlastverkehr durch Tönisvorster Straßen – und die Frage, warum trotz mehrfacher Ratsbeschlüsse bis heute keine wirksame Lösung erreicht wurde.
Ein altes Problem mit langer Akte
Betroffen sind insbesondere die Straßen Nüss Drenk, Nordring, Hülser Straße (L 379), Gelderner Straße, Feldstraße und Jägerstraße. Einige dieser Straßen führen durch Wohngebiete, an Schulen und Kindertageseinrichtungen vorbei – auf einzelnen gilt sogar ein ausdrückliches LKW-Durchfahrtsverbot, das nach unserer Kenntnis bis heute nicht konsequent durchgesetzt wird. Im Fokus stehen Autotransporter eines Krefelder Logistikbetriebs, die ihr Betriebsgelände an der Oberbenrader Straße anfahren und dabei systematisch über Tönisvorster Stadtgebiet geleitet werden.
Die politische Aufarbeitung reicht weit zurück: Bereits 2018 beschloss der damalige Bau-, Energie-, Verkehrs- und Umweltausschuss (BEVU) einstimmig Maßnahmen gegen den Schwerlastverkehr auf der Hülser Straße und dem Nordring. 2019 zeigte eine erste Verkehrsmessung, dass das eingeführte LKW-Fahrverbot nicht eingehalten wurde. 2020 musste der Ausschuss feststellen, dass ein beauftragtes LKW-Routenkonzept von der Verwaltung bis dahin gar nicht umgesetzt worden war – und erteilte erneut einstimmig einen Arbeitsauftrag. 2025 schließlich beschlossen die zuständigen Ausschüsse die Ausschreibung eines umfassenden Mobilitätskonzepts für rund 110.000 Euro, in dem das LKW-Routenkonzept als explizites Handlungsfeld benannt ist. Ob und mit welchem Ergebnis die Ausschreibung inzwischen durchgeführt wurde, ist der GUT-Fraktion nicht bekannt.
Krefeld lenkt – Tönisvorst trägt die Last
Besonders brisant: Nach Kenntnis der GUT-Fraktion beruht die Routenführung der Schwerlasttransporte auf einer rechtlich nicht haltbaren Auslegung durch die Stadt Krefeld – widerlegt durch einen eindeutigen Beschluss des OLG Frankfurt aus dem Jahr 2009. Hinzu kommt ein struktureller Interessenkonflikt: Krefeld ist gleichzeitig wirtschaftlich an einem Hafenunternehmen beteiligt, das von der Geschäftstätigkeit des betreffenden Logistikbetriebs profitiert. Die GUT-Fraktion fragt daher auch, ob die Stadt Tönisvorst bisher gegenüber Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer eine formelle interkommunale Abstimmung eingefordert hat.
Nach fast einem Jahrzehnt: Antworten gesucht
Die Belastung durch Schwerlastverkehr ist für viele Anwohnerinnen und Anwohner seit Jahren Alltag – mit Lärm, Erschütterungen und Straßenschäden als Folge. Ratsbeschlüsse dazu gibt es seit 2018, eine spürbare Verbesserung ist bislang ausgeblieben. Mit dieser Anfrage möchten wir Klarheit über den aktuellen Stand gewinnen und die Thematik wieder auf die politische Agenda setzen.
