GUT warnte im März: Was niemand hören wollte, ist Realität – 120 Schüler am MEG ohne ordentliche Klassenräume

Vorhergesagt, ignoriert, eingetreten

Am vergangenen Freitag, 29.05.2026, informierte Bürgermeister Kevin Schagen die Fraktionen über die Verzögerung beim Erweiterungsbau für das Michael-Ende-Gymnasium. Für die GUT-Fraktion war das keine Überraschung – wir haben diese Entwicklung im Ausschuss klar vorhergesagt und wurden nicht gehört. Die Folgen sind gravierend: Rund 120 zusätzliche Schülerinnen und Schüler starten ins Schuljahr 2026/27 ohne die beschlossenen Räume. Der stellvertretende Schulleiter hatte bereits im März öffentlich vor Samstagsunterricht gewarnt. Nach Kenntnis der GUT-Fraktion sollen dabei auch Räume genutzt werden, die zuletzt wegen Wasserschäden und Schimmelbefall nicht nutzbar waren.

Gewarnt. Abgewimmelt. Bestätigt.

Bereits bei der ursprünglichen Beschlussfassung Anfang März hatte die GUT konkrete Fragen gestellt – und keine befriedigenden Antworten erhalten. Wurde das Vergabeverfahren von einem Vergaberechtler schriftlich geprüft? Sind die Kapazitäten der Unternehmen realistisch belastbar? Damals wurde das als übertrieben abgetan. Heute ist es Realität.

Zudem hatte die GUT im März ausdrücklich davon abgeraten, die ursprünglich beschlossene Vergabe an einen Totalübernehmer zu ändern – unter anderem, weil ein Totalübernehmer das Risiko solcher Reibungsverluste von vornherein minimiert hätte. Die Mehrheit folgte dennoch dem Vorschlag der Verwaltung.

Beauftragt. Versagt. Vertagt.

Der Beschluss war eindeutig: Die Verwaltung wurde beauftragt, die fristgerechte Nutzung des Gebäudes zum 01.09.2026 sicherzustellen und bis zum 24. März 2026 ein belastbares Risikoszenario vorzustellen. Was präsentiert wurde, war das Gegenteil: kein Risikoszenario, keine Lösung für den Worst Case, die Verwaltung nach eigenen Worten „am Anfang einer Überlegung“ – während die Schulleitung längst die Osterferien als ihre Planungsdeadline gesetzt hatte.

„Diese Gespräche mit Schulen und Bezirksregierung, die die Stadt heute als vorausschauende Maßnahme darstellt, haben nur stattgefunden, weil wir sie ausdrücklich gefordert und in den Beschluss hineinformuliert haben“, so Edith Furtmann, GUT-Fraktionsmitglied und Mitglied im Schulausschuss. „Die Verwaltung hielt solche Abstimmungen damals für überflüssig – weil ja alles rechtzeitig fertig werden würde.“

Keine Panne. Kein Pech. Kein Zufall.

„Eine vergessene Eignungsprüfung, ein notwendiges zweites Vergabeverfahren wegen geänderter Planung – das ist keine höhere Gewalt. Aus unserer Sicht wurden die Fehler aus der Vergangenheit nicht ausreichend gewichtet und nicht passend in der Risikobewertung berücksichtigt. Das rächt sich jetzt. Das ist der typische Tönisvorster Ablauf: Beschluss unter Druck, weil keine wirkliche Wahl bleibt – und am Ende kein einziges der gesetzten Ziele erreicht. Wir haben das so vorhergesagt“, so Aleksander Weber, stellvertretender Fraktionssprecher der GUT.

Eine Antwort auf die Frage, warum sich dieses Muster wiederholt, liegt möglicherweise auch im Rat selbst: Die aktuelle Ratsmehrheit hat erst kürzlich weitere Personalkürzungen beschlossen und dabei den Baubereich besonders ins Auge gefasst. Solche Ergebnisse sind dann weniger zufällig – und künftige Wiederholungen leider absehbar.